Mit der Schwäbischen Zeitung in die Landeshauptstadt - 24.7.19

Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas dörflinger (rechts) nahm sich Zeit für den Besuch aus dem Heimatlandkreis (Foto: Marion Buck)

Von Marion Buck

Dorthin, wo im Herzen der Landeshauptstadt Politik für Baden-Württemberg gemacht wird, hat die Schwäbische Zeitung Riedlingen Leser zu einer Informationsfahrt eingeladen. Neben einer Führung im Stuttgarter Landtag stand der Besuch des Fernsehturms auf dem Programm. Der Ausflug fand im Rahmen des Jubiläums „300 Jahre Zeitung in Riedlingen“ statt.

Seit 1961 kommen im Landtag die Abgeordneten zusammen, um politische Fragen zu diskutieren und zu entscheiden. Am Dienstag wurden 30 Leser, denen das Glück bei der Auslosung der Anmeldungen hold war, im Bürger- und Medienzentrum zu einer Führung empfangen. Dr. Aaron Deppisch führte in das politische Geschehen, die Geschichte des Gebäudes und in die Arbeit der 143 Abgeordneten ein. Abgeordneter könne werden, wer 18 Jahre alt sei, die deutsche Staatsbürgerschaft besitze und seit drei Monaten in Baden-Württemberg lebe.

Bei der Führung durch das Haus machte der Gästeführer auf viele Details aufmerksam: die Glasfassaden, die Transparenz des Hauses symbolisieren, Werke regionaler Künstler und den Bad Canstatter Travertin. Über die Schreittreppe ging es in den Plenarsaal. Die SZ-Leser durften auf den Stühlen der Abgeordneten der fünf Fraktionen Platz nehmen. Deppisch erklärte die Aufgaben der Präsidentin, ihrer Schriftführer und Stenografen, bevor der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger den Besuch aus seinem Heimatlandkreis begrüßte.

Obwohl sich der Landtagsbetrieb bereits im Urlaubsmodus befindet, nahm sich Dörflinger Zeit. Er erzählte, wie er zur Landtagskandidatur kam. Bei der Nominierungsversammlung war er einer von drei Kandidaten. „Ich war so nervös wie an meiner Hochzeit“, beschrieb Dörflinger die damalige Situation. Nun bestimmt er seit drei Jahren das Geschehen in der Landespolitik mit, ist im Wirtschaftsausschuss, verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion und Sprecher für das Handwerk. Er verkämpfe sich für die Einführung einer Meisterprämie, sagte er.

Im Anschluss ging es für die SZ-Leser hoch hinaus über die Dächer Stuttgarts. Der Fernsehturm ist weltweit der erste seiner Art. Konstruiert wurde er von Professor Fritz Leonhardt, die Bauleitung lag bei Professor Erwin Heinle. Samt Sendemast ist er 217 Meter hoch und steht 483 Meter über dem Meeresspiegel. Dass der erste Turm mit einer Stahl-Betonkonstruktion tatsächlich halten würde, hatten zu Baubeginn nicht alle Stuttgarter geglaubt. So manch einer überlegte, wohin er stürzen würde, sollte er umfallen. Nach einer Bauzeit von 20 Monaten wurde er am 5. Februar 1956 eingeweiht. Er wurde zu einem Prototyp, den man auf der ganzen Welt nachbaute und weiterentwickelte – von Frankfurt über Dortmund bis Johannesburg und Wuhan in China.

Wenn es stürmt, wackelt der Turm. Allerdings weit weniger, als man vermuten könnte. Lediglich fünf Zentimeter weicht er ab. „Es bockelt wie bei einer Zugfahrt bei starkem Wind“, erfuhren die SZ-Leser bei der Führung. Auch dass die Degerlocher kein Gewitter mehr fürchten müssten. Ihre Häuser sind vor Blitzeinschlag sicher, denn der Turm ist das Ziel der Einschläge. Im Durchschnitt fährt der Blitz sieben Mal im Jahr in den Fernsehturm.

Mit einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde flitzten die Riedlinger in 36 Sekunden nach oben und genossen in 150 Metern den Blick über Stuttgart. Nach einem erlebnisreichen Tag ging es in den Abendstunden wieder nach Hause.

Copyright Schwäbische Zeitung PLUS - Riedlingen vom 24.7.2019