Erwartungen an die Politik in den Zeiten des Wandels - 30.4.19

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut besucht Feinguss Blank

Auch in Skibindungen sind Teile von Feinguss Blank enthalten, wie Hubert Deutsch (von links), Geschäftsführer von Feinguss Blank, und Werner Blank Landrat Dr. Heiko Schmid, der Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und dem Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger erläutern. Foto: Thomas Warnack

Von Bruno Jungwirth

Riedlingen - Die Transformationsprozesse in der Industrie sind in vollem Gange. Gerade in der Automobilindustrie. Davon ist auch das Riedlinger Unternehmen Feinguss Blank betroffen. Blank will dem mit verstärkter Automatisierung, Kostensenkungen, Qualitätssteigerungen und mit einer Strategiedebatte begegnen, wie das Unternehmen beim Firmenbesuch der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut am Montagnachmittag erläuterte. Das Unternehmen hat aber auch konkrete Anliegen an die Politik formuliert.

China ist weit weg wie auch Donald Trump und dessen Politik. Doch die Auswirkungen des chinesischen Markts und der amerikanischen Politik sind auch konkret beim Unternehmen in Riedlingen zu spüren. Nie hätte man vor Trump daran gedacht, dass die USA Zölle auf europäische Produkte wie Autos oder Stahl erheben könnten, sagte die Wirtschaftsministerin. Dazu der Markt- und Preisdruck aus China und die Diskussion um die Zukunft des Verbrennungsmotors - dies sind Bestandteile einer unsicheren Marktlage, wie sie auch das Unternehmen Feinguss Blank vorfindet. „Eine riesige Herausforderung“, wie es Hubert Deutsch, der Geschäftsführer von Feinguss Blank bei dem Treffen formulierte, an dem zudem der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger, Landrat Dr. Heiko Schmid, Bürgermeister Marcus Schafft und der ehemalige Geschäftsführer und jetzige Gesellschafter Werner Blank teilnahmen.

So hat der Druck durch chinesische Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, so Deutsch. Teilweise seien diese in puncto Qualität schon vorbeigezogen, bei deutlich niedrigeren Preisen. Wobei er Qualität nicht nur auf die Produkte selbst bezog, sondern auch auf weitere Faktoren wie Lieferzeiten und Kommunikation. Die Wettbewerber seien an sieben Tagen die Woche erreichbar - und zwar hier in Deutschland.

Aber auch die Diskussion um die Zukunft des Verbrennungsmotors, zwingt das Unternehmen zu einer Diskussion um die künftige strategische Ausrichtung, das in hohem Maße als Zulieferer für die Automobilindustrie tätig ist. Aber nicht nur. Auch für den Maschinenbau wird gearbeitet und sogar für Skischuhe und Tourenbindungen werden Feinguss-Elemente von Blank verwendet, wie Hoffmeister-Kraut bei ihrem Rundgang durchs Unternehmen, zu dem auch ein kurzer Abstecher in die Fertigung gehörte, erfuhr. Nach dem Rundgang stellten Deutsch, Werner Blank und Ralf Jedrysiak, Bereichsleiter für SCM & Gussfertigung bei Blank, in einer kurzen Präsentation das Unternehmen vor.

Selfie der Auszubildenden mit der Ministerin: Nicole Hoffmeister-Kraut lobte vor den Azubis das deutsche Ausbildungssystem und beglückwünschte sie zu ihrer Entscheidung, einen Beruf zu erlernen. Foto: Thomas Warnacke



Feinguss Blank will um zukunftsfähig zu bleiben die Kosten senken, die Automation erhöhen und auch über verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen nachdenken. Gleichzeitig will sie in die Mitarbeiter investieren. So plant das Unternehmen etwa ein internes Ausbildungsprogramm für Produktionsmitarbeiter, damit diese auf dem Weg einen Abschluss erreichen können. Dafür warb Deutsch um Unterstützung aus der Politik. Zudem machte er sich für eine Stärkung des mittleren Bildungsabschlusses (Realschulabschluss) stark. Er drückte auch seine Erwartungshaltung aus, dass die Politik auch Förderprogramm für innovative Prozessgestaltung gerade auch für mittelständische Unternehmen anbietet, und dass Anreizsysteme geschaffen werden für nationale Allianzen für Lieferketten bis zum Endhersteller.

„Danke für die offenen und ehrlichen Worte“, so die Wirtschaftsministerin, die ihren Willen zur Unterstützung der Unternehmen bekräftigte. Sie betonte die Bedeutung des Mittelstands und der Familienunternehmen im Land, die in langfristigen Zeiträumen dächten.

Sie wies auf das Engagement der Landesregierungen hin, um die Veränderungsprozesse in der Wirtschaft zu begleiten, die im Umbruch ist. So engagiert sich das Land für künstliche Intelligenz, hat sogenannte Digital Hubs auf den Weg gebracht. Zudem werde etwa für den Wandlungsprozess der Automobilindustrie eine „Roadmap“ erarbeitet, „damit Zulieferer sich darauf einstellen können“, so die Ministerin. Sie macht sich auch stark für eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit - dass am Tag auch zwölf Stunden gearbeitet werden darf, natürlich mit entsprechendem Ausgleich. Aber: „Innovation und Qualität“ seien die auch künftig einzigen Strategien, um auf dem Markt bestehen zu können.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 30.4.2019