Bücken für den Kopfsalat - 8.8.19

Woher kommt eigentlich der Salat? Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger zog ins Feld, um das herauszufinden. Die Antwort fand er in Baustetten.

Erntehelfer Thomas Dörflinger (links) und Gemüseanbauer Martin Botzenhard: Salat ist Handarbeit. (Bild: Uli Landthaler)

Von Uli Landthaler

LAUPHEIM – Im Sommer wechselt Thomas Dörflinger von der Kopf- zur Handarbeit. Der Politiker besucht Handwerksbetriebe oder Bauernhöfe und packt mit an. In dem Fall als Erntehelfer von Martin Botzenhard. Der ist einer der großen Gemüse-Anbauer in der Region und Herr über Millionen Salatköpfe, 80 000 sind es pro Hektar Anbaufläche.

Kapazität ist wichtig in diesem Geschäft, Botzenhard muss verlässlich das ganze Jahr über liefern – an Supermärkte und Discounter in der Region, an Kantinen und auch direkt an die Verbraucher im Hofladen im Laupheimer Teilort Baustetten: Salat, Broccoli, Kohlrabi, Fenchel, Blumenkohl, Chinakohl. Damit das Sortiment an Obst und Gemüse vollständig ist, wird ein Teil auch von Lieferanten bezogen. Geerntet wird fast täglich von Frühjahr bis Herbst, im Winter wird aus Italien oder Spanien zugeliefert.

Am Ortsrand von Baustetten liegt eines der Felder. Hier wachsen Eichblatt-, Kopf- und Eisbergsalat. Für die Sorte Mini-Romana testet Botzenhard dieser Tage eine Erntemaschine. Alle anderen Salatköpfe gelangen per Handarbeit in den Transportanhänger. Die Erntehelfer sind an diesem Tag junge Frauen aus Polen, etwa Schülerinnen und Studentinnen. Sie schneiden sie mit dem Haushaltsmesser von den Pflanzreihen im Boden – anstrengende Bückarbeit auf freiem Feld. Sie entfernen verfärbte Blätter, die Kunden im Laden stören können, und legen den Salat aufs mobile Förderband, das zum Anhänger führt. Auf schnellstem Weg wird er gekühlt, gewaschen und sortiert in die Läden gebracht. Dazu betreibt Gemüseproduzent Botzenhard auch eine Handelsfirma mit Fuhrpark.

Salat braucht einen gut mit Nährstoffen versorgten, bewässerbaren Boden. Mobile Bewässerungsanlagen sorgen für das notwendige Wasser. Ein großes Thema ist die Abwehr von Krankheiten und Schädlingen. Das geht am besten mit resistenten Sorten, wenn es notwendig ist, kommen auch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Im November ist jedoch Schluss mit Salat von dieser Anbaufläche. Das Feld bei Baustetten wird Industriegebiet. „Der Zielkonflikt zwischen Industrie und Landwirtschaft“, bedauert Dörflinger. Botzenhard hätte es gerne verhindert. Der Salat kommt dann halt von seinen anderen Feldern in der Region.

Für Dörflinger ist die SommerTour Teil des AbgeordnetenLebens: „Die sitzungsfreie Zeit des Landtags nutze ich, um Betriebe zu besuchen und mit anzupacken. Zum einem lerne ich so die Praxis vor Ort besser kennen, zum anderen erfahre ich, wo der Schuh drückt. Das ist mir für meine Arbeit im Landtag enorm wichtig.“

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Ausgabe Biberach vom 8. August 2019