Thomas Dörflinger: Fürsprecher des ländlichen Raumes - 8.2.20

Im Landtag hat Thomas Dörflinger die Meisterprämie durchgebracht. Foto: PR

Thomas Dörflinger ist „unser“ Mann in Stuttgart und dort parlamentarische Vielzweckwaffe der CDU im Landtag. Er repräsentiert den Wahlkreis Biberach und ist Fraktionssprecher in den Disziplinen Handwerk und Verkehr. Im Interview mit Uli Landthaler und Karin Boukaboub erklärt er die Vorzüge des Individualverkehrs und plädiert für synthetisches Benzin, setzt aber auch aufs Zugfahren und auf die künftige Donau-Iller-S-Bahn.

Herr Dörflinger, Sie sind Verkehrsexperte der CDU-Landtagsfraktion. Wie sind Sie unterwegs?

Thomas Dörflinger: Ich fahre viel Zug. Der Regional-Express fährt von Biberach bis Stuttgart. Bei Terminen abends oder unterwegs favorisiere ich das Auto. Wenn die Qualität stimmt und Züge pünktlich fahren, sind sie ein tolles Verkehrsmittel. Auf der Südbahn zwischen Friedrichshafen und Ulm läuft es akzeptabel, bei der Donautalbahn in Richtung Sigmaringen weniger gut. Auf der Filstalbahn von Ulm nach Stuttgart, wie auf vielen anderen Strecken im Land auch, war es in letzter Zeit katastrophal.

Woran lag das?
Die neuen Betreiber der Schienenstrecken wie das Unternehmen Go Ahead haben Startschwierigkeiten: Neue Züge werden zu spät geliefert oder es fehlt schlicht Personal. Aber das Problem war auch die Ausschreibungspraxis durch das Landesverkehrsministerium: Man wollte billig, billig. Das Land hat so zwar Geld gespart, aber die bestellten Kapazitäten reichen nicht. Wir erwarten, dass das Verkehrsministerium jetzt die Fahrgäste entschädigt. Es profitiert ja von dieser Schlechtleistung, weil die Zugbetreiber Strafzahlungen an das Land leisten müssen.

Wie kommen Sie mit dem Grünen-Verkehrsminister Winfried Hermann zurecht?
Naja, wir haben zum Teil sehr unterschiedliche Auffassungen beim Thema Mobilität. Das liegt natürlich auch an der Raumschaft, aus der man kommt: Winfried Hermanns Wahlkreis ist Stuttgart, da hat er einen anderen Blick auf die Dinge als ich. Viele Mobilitätskonzepte, die in Großstädten sinnvoll sind, sind im Ländlichen Raum schlicht nicht umsetzbar.

Gibt es auch Dinge aus dem "grünen" Verkehrsministerium, die Ihre Unterstützung finden?

Einiges, da wir vieles auch selbst vorangetrieben haben. Das Finanzvolumen für den Öffentlichen Nahverkehr wird besser. Dieses Jahr erhält der Landkreis Biberach 5,9 Millionen Euro, und weil es künftig im landesweiten Fördertopf aufwachsend 50 Millionen zusätzlich geben wird, sollte auch mehr Geld in unseren Landkreis fließen. Damit können die kommunalen Verkehrsträger mehr Busleistungen bestellen. Und das Land fördert Regio-Buslinien zwischen Zentren ohne Zugverbindung. Bei uns könnte das zum Beispiel ein Bus-Stundentakt von Ochsenhausen nach Biberach sein, der dann auch auf den Zugfahrplan abgestimmt ist.

Werden dann auch Elektro-Busse gefördert?

Ja, aber ebenso andere umweltfreundlichere Busse. Da haben wir uns sehr dafür eingesetzt. Das war ein berechtigter Wunsch der Busunternehmer.

Kann man denn auf der elektrifizierten Südbahn in Zukunft mit dem ICE an den Bodensee fahren?

Daran ist im Moment nicht gedacht. Ein Intercity fährt bereits. Bei der Südbahn geht es um einen guten Regionalverkehr und darum, die Fahrgäste nach Ulm zu bringen, von wo aus sie viele Anschlussmöglichkeiten haben.

Gibt es dann noch weitere Verbesserungen auf der Schiene?

Auf der Südbahn-Elektrifizierung muss die Regio-S-Bahn Donau-Iller mit zusätzlichen Haltepunkten folgen. Die wird zum Beispiel in Ummendorf oder wünschenswert auf der Donaubahn in Ertingen halten.

Was fahren Sie denn für ein Auto?

Einen VW Tiguan.

Ist das ein SUV?

Ja, in dem vermutlich viele Teile von Unternehmen aus dem Landkreis Biberach verbaut sind.

Wie erklären Sie sich, dass dieses Auto so beliebt ist?

Sie bieten eine gute Übersichtlichkeit. Wenn man sich mal an den höheren Einstieg gewöhnt hat, ist es ein anderer Fahrkomfort. Und sie überblicken die Straße besser. Auch wenn man Kinder hat und in Urlaub fährt, ist es gut, etwas Staufläche zu haben,

Wie sehen Sie die Zukunft des Dieselmotors?

Die Autohersteller haben in der Dieselkrise viel wertvollen Kredit verspielt. Aber wir sollten in Deutschland nicht so tun, als stünde unsere Automobilwirtschaft kurz vor der Abwicklung. Denn es wird übersehen, dass die Diesel-Motoren der neuesten Generation von einer unglaublich hohen Qualität sind und viele Abgasprobleme nahezu gelöst haben. Nach einer Prognose des Karlsruher Instituts für Technologie werden 2030 immer noch 40 - 50 Prozent Verbrenner unterwegs sein. Sie werden für längere Strecken gebraucht und ebenso für den Export in Länder, in denen keine flächendeckende Ladesäuleninfrastruktur aufgebaut werden kann.

Was macht man bis dahin?

Für uns sind synthetische Kraftstoffe interessant, mit denen man umweltfreundlicher fahren kann. Da gibt es ein großes Potential. Im Flugverkehr als Ersatz für Kerosin, im Schwerlastbereich, aber auch für normale PKW. Synthetische Kraftstoffe können ein Baustein zur kurzfristigen CO2-Reduktion sein und im jetzigen Fahrzeugbestand eingesetzt werden.

Ist autonomes Fahren ein Thema für den ländlichen Raum?

Langfristig auf jeden Fall. Dafür braucht man aber gute Mobilfunkverbindungen.

Was steht aktuell beim Thema Straßenbau in der Region an?

Bei den Ortsumfahrungen von Ringschnait bis Edenbachen im Zuge der B312 wird aktuell das Linienbestimmungsverfahren durchgeführt. Die Ortsumfahrungen Riedlingen (B311) und Warthausen (B465) stehen im Bundesverkehrswegeplan. Allerdings ist dort der Planungsbeginn noch nicht erfolgt. Die Planung zum B30-Aufstieg Mettenberg sollte 2020 vorankommen.

Der nächstgelegene Flughafen ist Friedrichshafen. Wie sieht seine Zukunft aus?

Der Flughafen Friedrichshafen ist eine essentielle Verkehrsinfrastruktur für die regionale Wirtschaft mit ihrer internationalen Verflechtung. Entgegen vieler Behauptungen erzielt der Flughafen ein positives Betriebsergebnis. Das Land ist Miteigentümer des Flughafens, hat sich aber bisher zu wenig um sein Eigentum gekümmert und sich bei den Investitionen aus der Verantwortung gestohlen. Das ist immer ein Streitpunkt in der Koalition: Die Grünen würden den Flughafen Friedrichshafen am liebsten dichtmachen, wir setzen uns für ihn ein. Wir haben durchgeboxt, dass das Land zwei Millionen Euro in die sicherheitsrelevante Infrastruktur investiert.

Sie sind auch handwerkspolitischer Sprecher Ihrer Fraktion, besuchen immer wieder Handwerksbetriebe und packen dort auch mit an. Was haben Sie gelernt?

Ich war 2019 bei einem Maler, einem Stuckateur, einem Elektrobetrieb, einem Bäcker, einem Baugeschäft und an einem Tag Erntehelfer in der Landwirtschaft. Das hilft mir sehr, wenn ich mit den Verbänden verhandle. Wenn Sie mal bei einem Metzger waren, wissen Sie, was Hygienevorschriften in der Umsetzung eigentlich bedeuten. Es hilft mir die ganzen Abläufe zu sehen. Und wenn die Presse dabei ist, bekommen die Betriebe auch eine öffentliche Plattform.

Welche Probleme haben die Handwerksbetriebe?

Dem Handwerk im Gesamten geht es im Moment sehr gut. Ein Problem für die Betriebe ist, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Immerhin ist in Sachen Ausbildung die Handwerkskammer Ulm sehr erfolgreich unterwegs: Das fünfte Jahr in Folge gibt es wachsende Ausbildungszahlen. Die Herausforderung ist dann, die Leute im Handwerk zu halten. Zwei Drittel wechseln in andere Branchen und in die Industrie.

Wie kann man das ändern?

Wir unterstützen mit verschiedenen Maßnahmen das Handwerk auf dem Arbeitsmarkt. Was ich gegen viele Widerstände durchgeboxt habe, ist die Meisterprämie: 1500 Euro vom Land, wenn man seinen Meister macht. Da musste ich viele davon überzeugen. Und das Handwerk ist auch erfolgreich, Studienabbrecher aufzunehmen. Ich habe von einem Bauunternehmer gehört, der einen Politikwissenschaftler als Auszubildenden hat. Und er ist sehr zufrieden. Das zeigt: Auch mit einem ursprünglich anderen Fokus kann man im Handwerk erfolgreich sein. Und die Einkommenssituation ist im Vergleich zu vielen akademischen Berufen durchaus wettbewerbsfähig, das muss man deutlich machen.

Was kann das Schulsystem im Sinn des Handwerks tun?

Nicht nur auf die Akademisierung setzen. Auch mit einer Berufsausbildung stehen dem Nachwuchs alle Türen offen. Dazu braucht es auch gute Hauptschulen. Es war falsch, dass die Vorgänger-Regierung die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft hat. Die Folge war ein Absturz bei den Anmeldezahlen, so dass im Landkreis Biberach nur noch drei Haupt- und Werkrealschulen da sind: In Bad Schussenried, in Ummendorf und in Mietingen. Die sind aber gut besucht.

Was war 2019 wichtig?

Es floss sehr viel Geld in unzählige Projekte in den Landkreis Biberach. Nennen möchte ich exemplarisch den Breitbandausbau it 6,5 Millionen Euro. Bei diesem Thema werden wir weiter Gas geben. In Riedlingen wurde zudem eine Außenstelle des Digitalisierungszentrums eröffnet.

Als Handwerks-Experte packt Dörflinger auch mal selber mit an – hier beim Praktikum als Erntehelfer bei Gemüseerzeuger Botzenhard. FOTO: ULI LANDTHALER

Was steht 2020 an?

Beim Volksbegehren "Rettet die Bienen" wären die Landwirte mit dem ursprünglichen Entwurf an die Wand gedrückt worden. Es kann doch nicht sein, dass durch das Volksbegehren die heimische Landwirtschaft zerstört wird und die Äpfel statt vom Bodensee dann aus Chile zu uns kommen. Deshalb hat die Politik das Thema an sich gezogen und wir werden dazu ein Gesetz entwickeln, das dem Artenschutz und der Landwirtschaft gerecht werden sollte. Es sieht im Gegensatz zum Volksbegehren keine starre Erhöhung der Bio-Quote in der Landwirtschaft vor, sondern entlang der Nachfrageentwicklung. Das ist ein Riesenunterschied,

2020 ist auch die Ärzteversorgung im Ländlichen Raum ein Thema. Dazu gehört das geplante Ärztehaus in Riedlingen, das ich weiter politisch unterstützen werde.

Und Riedlingen bewirbt sich für eine Gartenschau im Zeitraum 2031 - 2035. Da geht es nicht nur um Blumenbeete, sondern auch um Infrastruktur. Eine Gartenschau bringt immer Verbesserungen in der Infrastruktur mit sich und erleichtert den Zugang zu den Fördertöpfen.

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Ausgabe Biberach vom 8. Februar 2020

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