Rettungsdienst vor großen Herausforderungen - 11.9.20

Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger bringt sich beim DRK in Biberach auf den neuesten Stand

Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger (Zweiter von links) hat bei seiner Sommertour auch den DRK-Rettungsdienst in Biberach besucht (von links) Dr. Ralf Rothenbacher, Andreas Braungardt, Leiter der Rettungswache und DRK-Geschäftsführer Michael Mutschler. (Foto: Tanja Bosch)

Von Tanja Bosch

Biberach - Wie funktionieren die Abläufe in der Integrierten Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Biberach? Was passiert bei der Rettungswache an der Sana-Klinik. Und wie sieht überhaupt die Zukunft des DRK aus? All das und noch viel mehr hat der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger kürzlich bei seiner Sommertour erfahren. Gleich zu Beginn seiner Hospitation ging ein Notruf ein und der Politiker konnte hautnah miterleben, was gut läuft und wo es möglicherweise Nachholbedarf gibt.

Morgens um 8 Uhr ging es los. Kaum hatte Michael Mutschler, Leiter des Rettungsdiensts beim DRK-Kreisverband, Thomas Dörflinger mit der Dienstkleidung ausgestattet, kam auch schon der erste Notruf. Es hatte einen häuslichen Unfall gegeben. Nach dem Gespräch mit den Disponenten vor Ort, fuhren auch schon die Notfallsanitäter im Rettungswagen mit dem Landtagsabgeordneten los. „Es ist sehr gut, wenn man auch mal live dabei ist und sieht, wie die Arbeit vor Ort aussieht“, sagt Thomas Dörflinger. „Wenn wir in Stuttgart über gewisse Dinge entscheiden, ist es gut, wenn man die Praxis kennt.“

Das sieht auch Michael Mutschler so: „Herr Dörflinger entscheidet im Landtag mit. Es ist uns wichtig, dass er sieht, wie bei uns die Fäden zusammenlaufen.“ Vieles sei sehr positiv, es gebe aber auch Schwachstellen wie beispielsweise das Dilemma mit den Notfallsanitätern. Notfallsanitäter sind oftmals die Ersten, die vor Ort sind. Sie sind rundum ausgebildet, dürfen aber zum Beispiel keine Medikamente zur Schmerzlinderung verabreichen. „Das ist dann dem Notarzt vorbehalten“, so Mutschler. Die Entscheidung daran etwas zu verändern, liegt allerdings beim Bund.

„Das Land unterstützt die Forderung des DRK gegenüber dem Bund, den Notfallsanitätern mehr Handlungsspielraum zu geben“, so der CDU-Abgeordnete. „Es muss dringend eine Lösung gefunden werden, wie Notfallsanitäter mehr eingreifen können, weil sie die Ausbildung dafür haben.“ Im Fall des häuslichen Unfalls hat dennoch alles reibungslos funktioniert: „Ich war beeindruckt, wie ruhig und dennoch sicher das alles abläuft“, sagt Dörflinger. Es sei nie so gewesen, dass die Notfallsanitäter nicht alles getan hätten, was möglich ist, bis der Notarzt eintraf und die schmerzlindernden Medikamente verabreichen konnte.

„Wir haben schon ein sehr gut funktionierendes Notfallsystem“, sagt auch Dr. Ralf Rothenbacher, Allgemeinmediziner in Biberach und stellvertretender Vorsitzender des DRK-Kreisverbands. „Wir dürfen uns aber dennoch nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern müssen daran arbeiten, dass wir auch weiter schlagkräftig bleiben.“ Und da sei politische Unterstützung dringend notwendig.

Die sichert Thomas Dörflinger gerne zu und zwar auch, wenn es um die Dezentralität der Leitstellen geht. Seit 2015 gibt es beim Land immer mal wieder die Überlegungen, die Strukturen anzupassen und dafür gegebenenfalls einige Leitstellen zusammenzulegen. „Das ergibt für mich wenig Sinn, die Leitstellen vor Ort sind so wichtig und sollen auch erhalten bleiben“, so der CDU-Landtagsabgeordnete. In den kommenden Wochen soll das Thema ins Gesetzgebungsverfahren beim Landtag eingebracht werden. „Ich glaube nicht, dass sich an der Anzahl der Leitstellen etwas verändert. Das sind gute Nachrichten für den ländlichen Raum“, so Dörflinger. Diese Signale sind auch bereits bei Michael Mutschler angekommen: „Wir hoffen, dass es so bleibt.“

Viel wichtiger sei beim Thema Leitstellen, dass diese mit einer einheitlichen Technik ausgestattet werden, sodass eine noch bessere Vernetzung möglich ist. In Biberach ist das mit der Ertüchtigung der Leitstelle bereits passiert.

Was für die Zukunft noch eine echte Herausforderung darstellt, ist die Frage nach dem Personal. „Diese Ressource ist endlich“, sagt Michael Mutschler. „Da müssen wir schauen, was der Arbeitsmarkt künftig hergibt. Schließlich müsse der Rettungsdienst 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit sein. Aktuell gebe es keinen Engpass, „aber wir müssen stets auf die sich verändernden Strukturen reagieren können“, so Mutschler. Denn die Kliniklandschaft und die Bedeutung des Rettungsdiensts werden sich in den kommenden Jahren verändern.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Biberach vom 11. September 2020

Weitere Fotos (© DRK Biberach)

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