Ein Biberacher in bester Gesellschaft - 5.10.20

Einen Tag nach Christian Drosten erhält Rainer Etzinger das Bundesverdienstkreuz

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (2. v. r.) hat Rainer Etzinger (4. v. r.) das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Gäste: MdB Josef Rief (CDU, v. l.), MdB Martin Gerster (SPD), Ursel Etzinger, OB Norbert Zeidler und MdL Thomas Dörflinger (CDU). (Foto: Josef Aßfalg)

Von Josef Aßfalg

Biberach - Rainer Etzinger hat von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch in der Gigelberghalle das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Die Auszeichnung erhielt er für herausragendes und beispielhaftes Wirken.


Das Ehrenamt zieht sich wie ein roter Faden durch die Biografie von Rainer Etzinger. „Gemeinwohl, Gemeingeist und Gemeinwesen“ sind die Paten jeder geschichtlichen Entwicklung“, zitierte Staatsekretärin Gurr-Hirsch den Turnvater Jahn. Mit seinem Engagement habe Rainer Etzinger diese Attribute gefördert. „Nicht nur in Biberach und in Deutschland, sondern über die Grenzen hinaus bis nach Georgien“, so Friedlinde Gurr-Hirsch.


„In der Jugendarbeit im Sport hat er selbst die Grundlagen gelegt, die Werte des Gemeinwesens, des Gemeinwohles und des Gemeingeists an die junge Generation weiterzugeben“, sagte Gurr-Hirsch.


Rainer Etzinger ist 1947 in Heidenheim geboren und hat in Giengen an der Brenz das Abitur abgelegt. Sein Studium an der Pädagogischen Hochschule Sonderpädagogik in Riedlingen brachte ihn in die Region Biberach. An der Sonderschule in Biberach legte er die zweite Dienstprüfung ab. Ein weiteres Studium der Sonderpädagogik, Fachrichtung Lernbehinderte, schloss sich an. Er arbeitete als Sonderschullehrer in Biberach. Mitte der 1980er-Jahre übernahm er die Leitung der Biberacher Kreisbildstelle. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2011 blieb er auch seiner Arbeit als Lehrer treu und unterrichtete eine Berufsvorbereitungsklasse für Sonderschüler. „Die Kinder und Jugendarbeit im Sport ist Ihre ehrenamtliche Heimat“, lobte die Staatssekretärin. Sie ging dabei auf einzelne Ehrenämter Etzingers ein, wie den Vorsitz der Turngemeinde (TG) Biberach mit rund 6300 Mitglieder in 27 Abteilungen, den er 18 Jahre innehatte.


„Wenn Rainer Etzinger ruft, lässt man sogar in Berlin die Sitzungsunterlagen liegen“, sagte Oberbürgermeister (OB) Norbert Zeidler bei seiner Begrüßung an die Abgeordneten Martin Gerster (SPD) und Josef Rief (CDU) gewandt. Aus dem Stuttgarter Landtag begrüßte er Thomas Dörflinger (CDU). OB Zeidler lobte das vielfältige Engagement Etzingers. Zu Telawi und Georgien sagte er: Dort genieße Etzinger quasi Kultstatus - „irgendwo zwischen Selig- und Heiligsprechung“, so Norbert Zeidler schmunzelnd. „Mit deinem einmaligen Engagement bist du nicht nur ein großartiger Botschafter Biberachs, sondern Botschafter unseres Landes, der Freundschaft und Verbindung zwischen uns und Georgien.


Der Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster hat den Antrag für das Bundesverdienstkreuz angestoßen (die „Schwäbische Zeitung“ berichtete). „Du gehörst jetzt zu einem illustren Kreis von Leuten, die das Bundesverdienstkreuz erhalten haben“, befand Gerster und zählte Franz Beckenbauer und Beate Uhse auf. „In guter Gesellschaft bist du auch mit dem Virologen Christian Drosten“, der einen Tag vorher das Bundesverdienstkreuz bekommen hatte. Mit Blick auf das Engagement und die Verdienste Etzingers sagte Gerster: „Du hast in der Tat die Welt ein ganzes Stück besser gemacht.“


Seine Dankesrede begann Rainer Etzinger mit einer Strophe aus einem Gedicht von Ringelnatz: „Willst du froh und glücklich leben, lass ein Ehrenamt dir geben. Willst du nicht zu früh ins Grab, lehn ein Ehrenamt bloß ab.“ Das klinge eher demotivierend, „und ich bin froh, dass ich dieser pessimistischen Aussage nicht gefolgt bin“, gestand Etzinger. Zu Telawi sagte er, er habe bei einer Bürgerreise nach Telawi und Georgien die Liebe zu dieser Stadt entdeckt. „Wenn ich heute mit dem Flugzeug in Tiblisi aufsetze, weiß ich, ich bin in meiner zweiten Heimat.“ Er sei kein Einzelkämpfer. Für ihn gelte diese Ehrung stellvertretend für viele Menschen, „die zusammen mit mir auch in anderen Partnerstädten tätig sind“. Große Unterstützung habe er von seiner Familie bekommen. Denn: „Häufig mussten sie auf mich verzichten, wenn ich ehrenamtlich unterwegs war.“ Corona-bedingt wurden zur Feierstunde am Freitag in die Gigelberghalle 70 Gäste eingeladen. Für Musik sorgte das Duo Russ & Preuss.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Biberach vom 5.10.2020

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