Der Erfolg des Uttenweiler Dorfladens - 13.8.20

Chefinnen setzen auf Vielzahl regionaler Lieferanten und eigenverantwortliches Personal

Manfred Rehm (rechts) präsentiert im Uttenweiler Dorfladen seine Eier und übergibt symbolisch eine neue Lieferung an den Politiker Thomas Dörflinger, der gerade ein Praktikum absolviert. In der Bildmitte Gertrud Luibrand. (Foto: cbk)

Von Carmen Bogenrieder-Kramer

Uttenweiler - Vor fast sieben Jahren hat Gertrud Luibrand den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Sie übernahm den einzigen örtlichen Lebensmittelmarkt, der zuvor längere Zeit leer stand. Heute blickt sie auf ein Erfolgsmodell. Wie es dazu kam, erzählte sie bei einem Praktikum des CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger. Währenddessen war der Laden durchgehend gut frequentiert. Das Kassieren und der direkte Kundenkontakt bereiteten dem Politiker offensichtlich Spaß: Er packte überall an, schob einen Postwagen ins Freie und half Regale einräumen.


Mitgründerin Charlotte Lamp und Gertrud Luibrand plauderten aus dem Nähkästchen. So war zu erfahren, dass alle Beschäftigten jeweils einen Teil des Sortiments verantworten. „Unsere Mitarbeiterinnen überwachen dabei auch das Mindesthaltbarkeitsdatum“, erwähnte Luibrand. Damit sei gewährleistet, dass so gut wie nichts weggeworfen werden müsse, was ihr ein großes Anliegen ist.


Charlotte Lamp berichtete von dem enormen Aufwand, den die Poststelle verursache. Ständig gebe es irgendwelche Neuerungen, die an alle Kolleginnen weitergegeben werden müssten. Ein Dorfladen könne nämlich nur dann rentabel geführt werden, wenn jeder alles kann. Von den insgesamt zehn Beschäftigten seien in aller Regel immer mindestens zwei im Laden.


„Regional ist wichtiger als Bio“, stellte Luibrand fest. Den Kunden sei es wichtig, zu wissen, woher die Lebensmittel kommen. Deshalb werde der Laden zwar von einem Großlieferanten, Utz aus Ochsenhausen, mit Grundsortiment beliefert. Zudem könne sie allerdings jederzeit bei gut 50 anderen Lieferanten aus der Region nach Bedarf bestellen. Die meisten davon seien Direktvermarkter. Sieben kommen aus der Gemeinde Uttenweiler.


Einer davon ist Manfred Rehm aus Aderzhofen, der mit seinen „Henriette-Eiern“ bekannt geworden ist. Er brachte frisch abgepackte Bioland-Eier in den Dorfladen und erklärte: „Das Besondere an unseren Eiern ist, dass wir auch das Futter für unsere Tiere selbst anbauen.“ Nur circa zwei Prozent Mineralfutter müsse dazu gekauft werden. Dass dahinter jede Menge Arbeit steckt, sei nicht von der Hand zu weisen. Immerhin produziere jede seiner 3500 Legehennen jährlich im Schnitt 280 Eier. Deshalb, so Manfred Rehm weiter, müssten jeden Tag rund 2000 Eier verpackt und ausgeliefert werden. Selbstverständlich würden alle Eier nach wie vor in den speziellen Henriette-Eierbehältern, die mit Stroh ausgelegt sind, zum Verkauf angeboten. Das gefällt nicht nur Thomas Dörflinger. Gertrud Luibrand weiß, dass die Nachfrage nach diesen Rundum-Bioeiern enorm ist, trotz höherem Preis.


„Was mich ab und zu ärgert, sind die Angebotspreise der Supermärkte“, sagte Luibrand auf Dörflingers Nachfrage. Da könne und wolle ein Dorfladen nicht mithalten. Deshalb setze sie von Anfang an auf „Regionalität“ und „Qualität“ und damit auf viele einzelne Lieferanten, was mit enorm viel Arbeit verbunden sei.


Anfangs habe sie noch im Laden mitarbeiten können, zwischenzeitlich sei ihr Haupteinsatzbereich im Büro beim Disponieren und Organisieren. Das wiederum ist nur möglich, weil im Dorfladen ein eingespieltes Team arbeitet und sich jeder auf jeden verlassen kann.


Im Dorfladen von Uttenweiler gibt es fast nichts, was es nicht gibt: Neben Lebensmitteln gibt es im Dorfladen tägliche Bedarfs- und Verbrauchswaren, darunter Geschenkartikel sowie Büro- und Schulmaterialien. Er ist auch die Annahmestelle für eine Reinigung. Zudem kann in einer Kaffee-Ecke eingekehrt werden.


Thomas Dörflinger versprach in der Kaffee-Ecke, sich für die regionalen Produzenten einzusetzen. Dies spiele beispielsweise in den landeseigenen Kantinen eine Rolle. Aus Erfahrung sage er: „Regional ist das neue Bio.“


Die Lieferanten aus der Gemeinde Uttenweiler: Genuss-Ecke Seitz(Sauggart): Säfte, Obst, Gemüse; Elke Kreuzer (Oberwachingen): Bio-Gemüse, Familie Wild (Minderreuti): Honig; Axel Redzich Mühlenprodukte (Uttenweiler): Mehl, wöchentlich Brot und Knauzen; Biohof Schelkle (Schupfenberg): Schupfenberg-Käse; Geflügelhof Rettich (Uttenweiler): Putenfleisch und -wurst; Familie Rehm (Aderzhofen): Eier. Darüber hinaus gibt es etwa 20 Lieferanten in der Raumschaft.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 13. August 2020

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