Auf das Kohlendioxid kommt es an - 20.11.20

Josef Höninger führte Lüftungstests an der Michel-Buck-Schule in Ertingen durch

Beim technischen Lüftungstest waren dabei (von links): CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger, Schulleiter Markus Geiselhart, Josef Höninger, Rene Grüttner ( Fa. Höninger) und Elternbeiratsvorsitzende Anja Nickol. (Foto: Wolfgang Lutz)

Von Wolfgang Lutz

Ertingen - Gerade jetzt, in Zeiten der Coronapandemie und vor allem in der kalten Jahreszeit, gilt der Raumluft ein besonderes Augenmerk. Das veranlasste den Stukkateurmeister und Sachverständigen Josef Höninger, zwei Testversuche in den Schulcontainern der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule in Ertingen durchzuführen und aufbauend auf seine Ergebnisse auch wichtige und fundierte Ratschläge an die Schule weiterzuleiten.


Am Mittwoch lud er deshalb Schulleiter Markus Geiselhart, die Elternbeiratsvorsitzende Anja Nickol sowie den CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger sowie den stellvertretenden Bürgermeister Uli Ocker in ein Klassenzimmer ein, wo auch die technische Lüftung des Raumes demonstriert wurde.


Für Schulleiter Markus Geiselhart war es in der derzeitigen schwierigen Situation eine Selbstverständlichkeit, dass der Raumluftexperte Josef Höninger eine kostenlose Testreihe in der Container-Anlage vornimmt und seine dokumentierten Ergebnisse zur Verfügung stellt. „Es ist derzeit keine einfache Situation für uns. Wir freuen uns aber, dass die Schule bis jetzt von Corona verschont blieb. Ein Fall hat sich außerhalb der Schule in den Herbstferien abgespielt, so dass weder Schüler noch Lehrer in Quarantäne geschickt werden mussten“, freut sich Markus Geiselhart. Man habe rechtzeitg die Eltern in die Problematik mit einbezogen und die Lehrkräfte wurden alle mit FFP2-Masken ausgestattet. „Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den Familien mit Kindern und der Lehrerschaft.“ Dass Josef Höninger gerade jetzt Möglichkeiten aufzeige, wie man durch richtiges Lüften genug Frischluftzufuhr in den Klassenräumen erhält und dabei auch noch die richtige Raumtemperatur beibehalten werden kann, dafür sei man dem Fachmann dankbar.


„Wie soll man richtig lüften?“ war die Kernfrage des Ertinger Stukkateurmeisters. Und genau diese Frage konnte er anhand mehrerer Lüftungstests an der Schule demonstrieren. Zum einen geschah das anhand einer manuellen Lüftung der Schulräume, deren Ergebnisse er anhand verschiedener Diagramme fest hielt und zum andern durch eine technische Lüftung, die er den Anwesenden noch vorführte. Dabei gehen seine Empfehlungen vor allem auf die kalte Jahreszeit ein, wo in den Klassenzimmern eine Raumtemperatur von 22 Grad herrschen sollte. Dabei müsse durchgehend geheizt werden und eine Temperaturabsenkung bei Nacht oder an Wochenenden maximal bei drei Grad liegen. Der wichtigste Punkt ist die richtige Frischluftzufuhr, um die entsprechenden CO2-Werte zu erreichen, denn der Kohlendioxidgehalt ist ein wichtiger Parameter für die Qualität der Raumluft. Dabei sollen ein Wert von 1500 ppm (parts per million) nicht überschritten werden. „Ich hab schon in Wohnungen und Schulen Werte über 3000 ppm gemessen“, berichtete Josef Höninger.


Höninger empfiehlt, alle 20 Minuten ein sogenanntes Stoßlüften mit maximaler Dauer von fünf Minuten in den Schulräumen durchzuführen. Das heißt, in der Zeit müssen alle Fenster in den Klassenzimmern ganz geöffnet werden, ebenso die Zimmertür, denn es sei wichtig, dass dabei ein Durchzug entsteht. Gleichzeitig wird genügend Frischluft in die Räume verbracht. Seine aufgezeigten Messungen haben demnach ergeben, dass durch richtiges Stoßlüften der CO2-Gehalt unter 1000 ppm gehalten werden kann. Dabei wurde eine geringe Temperaturabsenkung festgestellt und auch die mittlere Raumluftfeuchte von 40 bis 60 Prozent wurde erreicht. „Niemand muss bei richtiger Handhabung dieser Vorgehensweise frieren“, so der Experte. Für die technische Lüftung hatte er einen Lüfter vor das Klassenzimmer im Freien installiert. Trotz schwieriger baulicher Gegebenheiten durch die Schulcontainer wurden zwei Zuluft- und sechs Abluftschläuche in das Klassenzimmer verlegt. Bei ständigem Betrieb konnten hier die besten Ergebnisse erreicht und der CO2-Wert zwischen 500 und 800 ppm gehalten werden.


Das Risiko einer Übertragung von Corona in Innenräumen lässt sich zudem durch geeignete Lüftungsmaßnahmen reduzieren, so das Umweltbundesamt. Eine möglichst hohe Frischluftzufuhr ist weiterhin eine wirksame Methode, potenzielle virushaltige Aerosole, also Kleinstpartikel in der Luft, aus Innenräumen zu entfernen. Vor diesem Hintergrund sei die Vorstellung der Lüftungsergebnisse durch Josef Höninger ein Baustein in der derzeitigen Situation, so der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger, der zudem dafür plädierte, dass die Schulen auch in Zukunft während der Coronapandemie geöffnet bleiben. „Was Josef Höninger getestet hat, bringt was, auch ohne großes wissenschaftliches Hinterfragen“, ist sich der Politiker sicher. Obwohl sie eine „Verfrorene“ sei, halte sie die Lüftungsratschläge von Josef Höninger für sinnvoll und machbar, was sie nun selbst an einer Schule in Bad Saulgau praktiziere, sagte die Elternbeiratsvorsitzende Anja Nickol. Dazu sei es wichtig, einen Datenblogger in die Klassenzimmer zu stellen, der laufend Aufschluss über die Raumluft gebe. „Was uns Josef Höninger in seinen Dokumentationen aufgezeigt hat, ist angekommen, ist für uns wertvoll und wir sind nun noch mehr für dieses Thema sensibilisiert“, zog Schulleiter Markus Geiselhart ein Fazit.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 20.11.2020

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