Gleichwertige Ziele für Stadt und Land - 9.7.19

Der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger besuchte die Gemeinde Langenenslingen

Die Gemeinderäte Christof Fisel (von links), Fabian Gairing und Bürgermeister Andreas Schneider zeigten dem Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger die Pläne für die Innenentwicklung in Emerfeld. (Foto: Marion Buck)

Von Marion Buck

Langenenslingen - Den Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger hatte die Gemeinde Langenenslingen zu Besuch. Gemeinsam mit einer Abordnung aus Verwaltung und Gemeinderat wurden die Themen Gewerbe, Baulandentwicklung, Bibermanagement, Grundschule und Breitband abgearbeitet. Dörflinger bezeichnete Langenslingen als „Schatz mit Wohlfühlatmosphäre“, wobei er durchaus auch die Probleme einer flächengroßen Gemeinde mit vielen Teilorten sah. „Stärkung des ländlichen Raums ist für mich nicht nur ein warmes Wort“, sagte der Landtagsabgeordnete.

Was sich in jeder Gemeinde des Landkreises tue, wo der Schuh drücke und was gut laufe, interessiert den Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger auf seinen Gemeindebesuchen. Auftakt zur Rundfahrt durch Langenenslingen und die Teilgemeinden war der Besuch der Firma Ensutec in Andelfingen. Das Unternehmen von Thomas Mayer wurde mit Landesmitteln aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum und als einziger Betrieb aus dem Landkreis Biberach mit „Spitze auf dem Land“ gefördert. In der Region der Tüftler und Denker ist Ensutec ein Paradebeispiel für innovative Unternehmen. Mayer führte durch seine Firma und gewährte dem Besuch Einblicke in seine neuesten Entwicklungen rund um das Thema Lackierungen.

In Emerfeld realisiert die Gemeinde momentan auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen, auf 2900 Quadratmetern, drei Bauplätze. Hier wurde der landwirtschaftliche Bestandsschutz mit Dörflinger diskutiert. Nur durch das große Entgegenkommen der Nachbarn, die künftig auf Tierhaltung verzichten, konnte die Innenraumentwicklung auf den Weg gebracht werden. Das sei auch im Landtag Thema, so Dörflinger. „Wenn ein Hof 20 Jahre nicht mehr bestallt ist, kann man davon ausgehen, dass sich da nichts mehr ändert.“

Während in Emerfeld der Abriss der Gebäude erst bevorsteht, ist die Gemeinde in der Realisierung von Bauland in Egelfingen bereits weiter. Die erste Baugrube der fünf neuen Bauplätze ist ausgehoben. Besichtigt wurde auch das Baugebiet „Stucken“ in Langenenslingen. Um die Regenableitung aus dem Baugebiet in die Tat umzusetzen, musste die Gemeinde ein Bibermanagement auf den Weg bringen. „Der Biber hat uns sehr große Probleme bereitet“, sagte Schneider. Mit der emotionalen Biberthematik setzen sich auch der Landtagsabgeordnete und verschiedene Ministerien auseinander. Es gebe ein Modellprojekt an der Donau, so Dörflinger. „Man möchte sich der bayrischen Lösung annähern.“

Der Ausbau des Breitbandnetzes ist in Langenenslingen bereits weit vorangeschritten, da die Gemeinde Mitglied der Breitbandversorgung Sigmaringen (BLS) ist und vorgearbeitet hat. Eine Ausgleichszahlung vom Landkreis Biberach gibt es dafür aber nicht. Für den Datenhighway nach Billafingen, Emerfeld und Egelfingen wünscht sich die Gemeinde deshalb finanzielle Unterstützung durch den Landkreis. Gedacht ist an eine Anbindung vom Langenenslinger Gewerbegebiet durchs Warmtal hoch auf die Albfläche, um die drei Teilorte anzuschließen. Allerdings wäre kein direkter Anschluss ans Kreis-Backbone möglich, der Anschluss müsste über das Gemeinde-Backbone realisiert werden. Bürgermeister Andreas Schneider sieht darin eine Chance für eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Landkreis Sigmaringen. So würden die Teilorte auf der Alb zum Nadelöhr zum Nachbarlandkreis. Die Kosten dafür schätzt die Verwaltung auf 350 000 Euro für die Datenautobahn plus 200 000 Euro für den innerörtlichen Ausbau.

Die Sanierung der Schule steht in der Gemeinde an. Schulleiter Matthias Zieger (links) führte die Delegation durch die Räume. (Foto: Marion Buck)

Bevor es zum Treffen mit der Bürgerschaft im Pfarrgarten ging, stand die Besichtigung der Grundschule auf dem Programm. Rektor Matthias Zieger führte durch die Räumlichkeiten des 1977 erbauten Gebäudes. In den 90er Jahren seien zwei weitere Klassenzimmer angebaut worden, so der Rektor. Heute finden 120 Kinder in acht Klassenzimmern Platz. 2007 wurde eine Küche eingebaut, 2012 folgte die Bücherei. Als nächstes steht die Modernisierung des Computerraums an. „Der Medienentwicklungsplan liegt in der Schublade“, so Zieger.

Dringend notwendig sei auch die Sanierung der Außenhülle, sagte Bürgermeister Schneider. Das sei eines der drängendsten Themen, sobald die Kinderkrippe realisiert sei. Ein klares Signal „pro kleine Grundschule“ sendete Dörflinger. „Wir führen keine Diskussion um Schließungen von Schulen“, sagte er. Solange kein Impuls vom Schulträger, also der Gemeinde, komme. Auch wenn der schnellste Weg, der schlechten Lehrerversorgung Herr zu werden, die Schließung kleiner Einheiten wäre. „Das wäre für den ländlichen Raum eine Bankrott-Erklärung“, sagte Dörflinger. Auch für die Gemeinde sei das ein Signal, so Schneider. „Wenn wir Millionen in die Sanierung investieren und die Schule dann nicht geschlossen wird.“wenn der schnellste Weg, der schlechten Lehrerversorgung Herr zu werden, die Schließung kleiner Einheiten wäre. „Das wäre für den ländlichen Raum eine Bankrott-Erklärung“, sagte Dörflinger. Auch für die Gemeinde sei das ein Signal, so Schneider. „Wenn wir Millionen in die Sanierung investieren und die Schule dann nicht geschlossen wird.“

Im Pfarrgarten fand der Gemeindebesuch seinen Abschluss. Die KJG hatte den Grill angeworfen, die Bürger noch einige Fragen an den Landtagsabgeordneten, der den Langenenslingern bescheinigte, „die Gemeinde ist bei Bürgermeister Schneider in guten Händen“. Er sei kompetent in allen Themen. „Der richtige Mann am richtigen Ort.“

Dörflinger betonte, dass ihm die Stärkung des ländlichen Raumes wichtig sei. Im Endeffekt gehe es immer um Verteilung. Es gibt einen Topf und die Mittel daraus werden verteilt. Bei allem frage er zuerst, was davon in den ländlichen Raum gehe. Klar sei, dass eine Breitbandverlegung in einer Gemeinde wie Langenenslingen immens viel Geld koste. Dörflinger wünschte sich gleichwertige Ziele für Stadt und Land. „Auch wenn es etwas länger dauert.“

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 9.7.2019

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