Dörflinger sucht Gespräch mit der Jugend - 28.10.19

Der Landtagsabgeordnete besuchte die Gemeinde Ertingen

Von Wolfgang Lutz

Ertingen - Die Gemeinschaftsschule, das Pflegeheim St. Georg und das Unternehmen Lock waren Stationen, die sich der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger bei seinem Gemeindebesuch in Ertingen anschaute. Neben der Besichtigung der Einrichtungen stellte er sich auch den Fragen der Schüler und nahm vom Pflegeheim und Metallunternehmen Anliegen und Vorschläge auf. Mit dabei bei dem Rundgang auch Bürgermeister Jürgen Köhler sowie die Gemeinderäte Uli Ocker, Max Miller und Christian Diesch. Am Abend konnten die Bürger mit dem Landtagsabgeordneten ins Gespräch kommen.

Heimleiter Stefan Bühler (rechts) stellt dem Landtagsabgeordneten das Pflegeheim St. Georg vor.

„Das Pflegeheim St. Georg ist was Besonderes. Die Ertinger identifizieren sich mit der Einrichtung“, so stellte Bürgermeister Jürgen Köhler dem Abgeordneten die Seniorenanlage vor. „Ein Haus, das zu Ertingen gehört“, bestätigte auch Heimleiter Stefan Bühler. Das Pflegeheim sei durchgängig fast zu 100 Prozent belegt, habe aber durch die neue Landesheimbauverordnung vier Plätze verloren, was sich auch finanziell auswirke, so Bühler beim Rundgang durch das Haus. Trotzdem sei man stolz, gut verhandelt zu haben, so dass derzeit zwölf Doppelzimmer und 34 Einzelzimmer zur Verfügung stehen. „Mit keinem Geld ist aber das aufzuwerten, was wir an Unterstützung bei der Pflege vom Altenhilfe-Förderverein, Privatpersonen und Vereinen erfahren“, so der Heimleiter. Es sei einmalig, wie sich die Ertinger Bevölkerung um das Haus St. Georg und seine Bewohner kümmerten. Stolz ist man auch auf die Einrichtung mit eigener Küche, in der täglich mit heimischen Produkten frisch gekocht wird, was von den 59 Heimbewohnern gerne angenommen werde. Auch die hausinterne Wäscherei hat viele Vorteile. Zudem, so Stefan Bühler, habe das Haus als Eigenbetrieb der Gemeinde eine lange Tradition und er könne sich auf ein tolles Team verlassen. In Zukunft werden die Umsetzung der Landesheimbauverordnung und die Mitarbeiter-Gewinnung ganz oben auf der To-do-Liste des Pflegeheimes stehen. „Bei Ihnen ist man sehr gut aufgehoben“, war das Fazit von Thomas Dörflinger.

Schulleiter Markus Geiselhart begrüßte Dörflinger, mit dabei die Gemeinderäte Christian Diesch, Uli Ocker und Bürgermeister Jürgen Köhler.

„Eine Gemeinschaftsschule hängt davon ab, wie sie gelebt wird und hier ragt Ertingen heraus“, so das Lob von Thomas Dörflinger beim Empfang der Delegation durch Schulleiter Markus Geiselhart. In den Schulcontainern warteten die Schüler der Klasse zehn mit einem ganzen Fragenkatalog an den Landtagsabgeordneten. „Ihr seid jetzt in einem Alter, wo ihr den Weg gehen könnt, den ihr Euch wünscht. Hört dabei auf Bauch und Herz“, so der Ratschlag von Dörflinger. Es müsse nicht immer beim ersten Mal klappen, „man kann immer noch einen Schwenker machen“, so der Abgeordnete in Bezug auf Beruf und Ausbildung der Jugendlichen. Der Klimaschutz, die AfD, die Legalisierung von Canabis und auch „Wie wollen Sie das Vertrauen der Wähler wieder gewinnen“, „Sollen wir zur Wahl gehen“ oder „Warum sind Sie zur CDU gegangen“, waren Themen, auf die die Schüler eine Antwort erwarteten. Dörflinger forderte die Jugendlichen auf, an den Wahlen teilzunehmen, denn: „Ihr sollt ja über Eure Zukunft mit bestimmen.“ Für die Klasse zehn ist der strittige Artikel 13, bei dem die EU die Ansprüche des Urheberrechts an die heutige Zeit anpassen will, Thema. Durch die momentane wirtschaftliche Abschwächung vor allem in der Automobilbranche, solle man sich nicht kirre machen lassen, denn aus seiner Sicht sei hier mit keiner längeren Phase zu rechnen, meint Dörflinger. Dass der Abgeordnete dann zur aktiven Sterbehilfe Stellung beziehen soll, damit hatte er nicht gerechnet. Auf seine Frage nach den Zukunftsplänen der Schüler gab Rektor Markus Geiselhart die erfreuliche Auskunft: „Die meisten von ihnen sind schon versorgt.“ Fast alle wissen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Einige haben Zusagen für eine Lehrstelle, andere wollen das Abitur machen, andere gehen an weiterführende Schulen.

Geschäftsführer Frank Lock (Mitte) führte den Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger (links) und Bürgermeister Jürgen Köhler durch das Unternehmen. (Fotos: Wolfgang Lutz)

Letzte Station für die Delegation war der Besuch des mittelständischen Unternehmens Lock Antriebstechnik. Dieses kann auf ein 175-jähriges Bestehen verweisen, „worauf wir stolz sind“, so Geschäftsführer Frank Lock. Schwerpunkt des Unternehmens ist die Be- und Entlüftung von Offenställen und Gärtnereien mit entsprechender Hebetechnik. Hier bedient das Unternehmen mit etwa 120 Mitarbeitern eine Marktnische, was es zum weltweit führenden Hersteller in diesem Segment macht. So generiert das Unternehmern von Frank und Jeannette Lock seinen Umsatz derzeit zu 50 Prozent aus dem landwirtschaftlichen Bereich und 35 Prozent aus Gärtnereien. Dazu kommen weitere Sonderprodukte, die das Metallunternehmen in seinem Portfolio hat.


Ein Rundgang durch das Unternehmen gab Einblicke in die Fabrikation von Antriebstechnik Lock. Beim Rundgespräch wartete Frank Lock mit einem ganzen Fragenkatalog an den Abgeordneten auf. „Der Landwirt und der Gärtner sind nicht die Bösen“, so der Firmeninhaber über seine Kundschaft, aber man müsse ihnen Perspektiven aufzeigen und sie nicht im Regen stehen lassen. „Es kann doch nicht sein, dass kein Torf mehr in der Gärtnerei eingesetzt werden darf, ohne Ersatzstoffe anzubieten.“ Und in puncto „Rettet die Bienen“ hatte er auch eine Meinung: „Mit der Landwirtschaft und nicht gegen die Landwirtschaft nach Lösungen suchen.“ Vor allem die Standortnachteile des Ländlichen Raums durch schlechte Bahn- und Straßenanbindungen lagen Lock am Herzen. „Wie kommt eigentlich der Ministerpräsident nach Stuttgart?“, stellte Lock die Frage. Bessere verkehrstechnische Anbindungen unseres Raumes nach allen Seiten wären sein Wunsch. Auch der Handy-Empfang sei in keinem Bundesland so schlecht wie in Baden-Württemberg, wozu ihm der Abgeordnete beipflichtete. Ferner prangerte er die Kirchtumspolitik im Berufsschul- und Krankenhauswesen an. Hier müsste kreisübergreifend mehr gemacht werden, um eine Spezialisierung zu erreichen. „Da hat sich viel eingebürgert und keiner will sich mehr was wegnehmen lassen“, so Thomas Dörflinger. Auch Umwelt und Klima sind für Lock keine Fremdwörter, „aber alles muss man sich leisten können“. Hier wünschte er sich unter anderem auch mehr Planungssicherheit für Unternehmen und Privatpersonen in puncto Anschaffung eines Dieselfahrzeuges. Nach einem Gruppenfoto traf man sich im Rathaus, wo Thomas Dörflinger den Bürgern Frage und Antwort stand.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 28.10.2019

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