Der "Lotse" geht von Bord - 15.10.19

Pfarrer Albert Menrad feiert an Kirchweih zum letzten Mal Messe auf seinem heiligen Berg

Uttenweilers Bürgermeister Werner Binder dankte Bussenpfarrer Albert Menrad im Namen der Gemeinde. (Foto: Wolfgang Lutz)

Von Wolfgang Lutz

Offingen - Die Verabschiedung von Bussenpfarrer Albert Menrad am Sonntag hat einmal mehr gezeigt, wie sehr die Gläubigen an ihrem Pfarrer hängen, wie sie ihn schätzen und was er ihnen bedeutet. Die Gläubigen der Seelsorgeeinheit Bussen, viele Pilger, Vereine und Gruppen waren mit ihm auf den Berg gestiegen, um mit ihm die heilige Messe zu feiern und ihm Dank zu sagen. Mit ihm, der wie kein anderer den Pilgerort Bussen zu dem machte, was ihn heute auszeichnet: ein Ort des Glaubens und tiefer Verehrung, ein Ort, an dem nicht der Kommerz, sondern der Glaube, das Gebet und tiefe Religiosität im Vordergrund stehen. „Ich habe in den 21 Jahren versucht, den Pilgern die Einmaligkeit des Bussens zu erschließen und den Menschen zu Diensten zu sein“, so Pfarrer Albert Menrad.

„Ich nehme die Chance und die Einmaligkeit des Bussens ernst“, nannte Pfarrer Menrad seine Devise. Dabei bestand seine Aufgabe darin, die Sorge und Nöte der Pilger mit zu tragen. Er habe immer versucht, ihnen zu Diensten zu sein und habe den tiefen Glauben der Menschen erfahren, die zu ihm auf den Bussen gekommen seien. Die Erfahrung, die viele Suchende auf dem Bussen machten, führten dazu, den Bussen als „heiligen Berg Oberschwabens“ zu bezeichnen. „Dies zu bewahren ist unsere Pflicht, er ist ein Ort des Gebetes. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass dies nicht zerstört wird“, so der Bussenpfarrer. In all den Jahren habe er aber große Dankbarkeit erfahren. Viele seien den Berg heraufgekommen, um Danke zu sagen für Hilfe, die sie dabei erhielten, sei es durch erfüllten Kinderwunsch oder auch durch die Heimkehr aus den Kriegswirren. „Ein Mensch, der danken kann, ist ein glücklicher Mensch“, so Pfarrer Menrad. „Vergelt's Gott auch allen, die mir gedankt haben und die mit mir heute den Sonntagsgottesdienst feiern.“

Stauffer-Medaille für Menrad

Als „größten Verlust dieses Jahres“ bezeichnete die Kirchengemeinderatsvorsitzende Rosmarie Romer den Weggang von Pfarrer Menrad. Viele Menschen aus nah und fern habe der Bussenpfarrer auf seinem Berg begrüßt. Viele Projekte und bauliche Tätigkeiten gingen auf seine Initiative zurück. Er habe dafür gesorgt, dass der Bussen seine Anziehungskraft in den ganzen oberschwäbischen Raum und darüber hinaus ausstrahle. Der Bussen sei die „Vorstufe zum Paradies“, so habe der frühere Landrat Winfried Steuer den „heiligen Berg“ bezeichnet. Auf jeden Fall habe Menrad ein gutes Fundament gelegt, auf das man aufbauen könne. Und, so Romer: „Der Abschied tut weh. Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Die Mutter Gottes vom Bussen möge Sie beschützen“.

Landrat Dr. Heiko Schmid dankte Menrad für viele gute Begegnungen auf dem Bussen. „Offingen, der Bussen und Pfarrer Menrad gehörten einfach zusammen.“ Er habe große Fußstapfen hinterlassen, auf die er stolz sein dürfe. „Das Leben geht aber weiter in Ihrer zweiten Heimat. Bleiben Sie, wie Sie sind“, wünschte Schmid, der noch eine Überraschung für den Bussenpfarrer parat hatte. Im Auftrag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem der Bussen nicht fremd ist, durfte er Pfarrer Menrad die Stauffer-Medaille überreichen für sein überaus großes, bürgerschaftliches Engagement in den 21 Jahren als Bussenpfarrer in Offingen.

„Sie haben viel für unsere Region getan, daher haben Sie diese Auszeichnung mehr als verdient“, so würdigte Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger das Wirken Menrads. „Sie haben mit Ihrem Tun den Bussen geprägt und waren ein hervorragender Repräsentant des katholischen Glaubens. Für mich werden Sie immer der Bussenpfarrer bleiben.“

Auch die Ministranten wollten ihren Pfarrer nicht mit leeren Händen gehen lassen. Eine Collage mit Bildern aus all den gemeinsamen Jahren soll an die Zeit auf dem Bussen erinnern.

Bei der mittäglichen Feier in der Bussenhalle bestätigte Pfarrer Klaus Wolfmaier, dass ihm der scheidende Pfarrer zum väterlichen Freund geworden sei. Er bezeichnete ihn als „Hüter des heiligen Berges“, der den Bussen als Ort des Glaubens und des Gebets geprägt habe. „Wenn die Leute aus dem Beichtstuhl kommen, müssen sie fröhlicher sein, als sie rein gingen“, sei die Devise Menrads gewesen. Er habe die Begegnung mit Menschen allen Alters gesucht und ihnen Wertschätzung und Aufmerksamkeit geschenkt. „Du hast immer für die Heiligkeit des Bussens gekämpft, hast Dein Leben unter den guten Stern Mariens und des Herrgotts gestellt.“

Bürgermeister Werner Binder sprach für die bürgerliche Gemeinde Dank und Anerkennung für Menrads segensreiches Wirken aus: „Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute für Ihre Zukunft.“ Um ihn dann doch vielleicht hie und da wieder mal anzutreffen, überreichte er ihm einen Gutschein vom Bussen, denn Pfarrer Wolfmaier hatte dem Bussenpfarrer eine lebenslange Übernachtungsmöglichkeit im Bischofszimmer des Unlinger Pfarrhauses angeboten.

Bereits zum dritten Mal war der ehemalige Landrat Dr. Wilfried Steuer bei der Verabschiedung eines Bussenpfarrers mit dabei. „Aber dass es künftig keinen Bussenpfarrer mehr gibt, das geht gar nicht“, so Steuer. „Ich wünsche Dir einen guten Ruhestand, wo nicht nur Rosenkranz gebetet und Gottesdienst gefeiert wird. Es muss auch mal ein Viertele getrunken werden“, wünschte Steuer, der dann den Taktstock ergriff und ihm zu Ehren den Kreismarsch dirigierte. Und alle Besucher sangen stehend mit.

Dekan Siegmund Schänzle erinnerte an die frühere gemeinsame Zeit mit Pfarrer Albert Menrad in Argentinien. Eine Ära gehe zu Ende, aber die Wallfahrten würden bleiben, lediglich das Betreuungsangebot werde sich ändern. „Neue Wege bedeuten auch neue Chance und die Seelsorge liegt nicht nur in den Händen der Priester“, so Schänzle. „Dein Name wird immer mit dem Bussen verbunden bleiben“, bescheinigte er seinem Freund, dem er ein Kreuz aus argentinischem Hartholz schenkte.

Philipp Schurr als Vertreter aller örtlichen Vereine und Gruppen, sprach von einem „besonderen Verein“, den Christen, zu denen Pfarrer Menrad gehöre. Man sei nicht immer im „Vereinsheim“, der Bussenkirche, gewesen, aber man sei immer stolz auf ihn gewesen. Schurr: „Der Christenverein ist unser liebster Verein.“

Eine weitere Auszeichnung hatte der Geschäftsführer des Katholischen Landvolkes, Wolfgang Schleicher, für den scheidenden Pfarrer parat. Albert Menrad sei eine Institution im Verband gewesen, vor allem durch die vielen mitorganisierten Wallfahrten habe er sich eingebracht. „Er war kein Schwätzer, sondern jemand, der mit anpackte“, so Schleicher. Als Anerkennung überreichte er Albert Menrad die Verdienstmedaille in Gold des Katholischen Landvolks.

Auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Uttenweiler, Karl-Heinz Maigler, bescheinigte Pfarrer Menrad großen Einsatz auch in der Pfarrgemeinde im seelsorgerlichen Wirken wie auch bei vielen baulichen Maßnahmen.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Riedlingen vom 15.10.2019

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