Das Problem mit dem rasanten Wachstum - 20.9.19

Bürgermeister Kai Feneberg erklärt dem Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger Achstettens Ringen mit dem Regierungspräsidium

Austausch über Achstetten: (von links) Bürgermeister Kai Feneberg, Planer Roland Schmuck, Bauamtsleiter Claus Wassmer, der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger. (Foto: Axel Pries)

Von Axel Pries

Achstetten - Es klingt im ersten Moment nach einem Luxusproblem, das Achstettens Bürgermeister Kai Feneberg dem prominenten Gast vorträgt. Die Gemeinde, so bekommt der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger zu hören, ist die am stärksten wachsende im Landkreis Biberach. Immer mehr Menschen wollen in den Orten an der B30 zwischen Laupheim und Ulm wohnen. „Das fordert natürlich die Infrastruktur“, stellt Feneberg fest - und Politik wie Verwaltung. „Wir beschäftigen uns nur noch mit Kinderbetreuung, sind ständig auf der Suche nach neuem Personal“, erläuterte Feneberg dem Gast bei einem Austausch im Rathaus, wo der Abgeordnete sich im Rahmen eines Gemeindebesuchs über Probleme erkundigte.

Das spezielle Problem Achstettens: Die Zahl der Kinder nimmt schneller zu, als man dort bauen kann. „Wenn wir einen Kindergarten bauen, dann brennt es praktisch schon wieder, wenn er fertig ist.“ Man habe zuletzt praktisch alle zwei Jahre eine neue Kindertagesstätte fertiggestellt, und dennoch reiche es nicht. „Wenn ich das meinen Kollegen erzähle...“, drückte Feneberg die Verwunderung woanders aus, ohne den Satz zu vervollständigen.

Doch nicht nur Bürgermeister-Kollegen vernähmen das Achstetter Wachstum mit Unglauben, erläuterte er - und das sei ein viel größeres Ärgernis: Auch im Regierungspräsidium Tübingen gehe man trotz anderweitiger Beteuerung von falschen, weil veralteten Angaben über das Bevölkerungswachstum aus. Mit Folgen: Die Gemeinde fällt bei der „Plausibilitätsprüfung“ ihrer Anträge durch. „Tübingen erkennt die Wachstumszahlen nicht an“, fasst der Bauamtsleiter Claus Wassmer zusammen. Die Gemeinde bekommt ihre Ausbaupläne nicht genehmigt.

Der Landtagsabgeordnete zeigte sich überrascht über die Klage. Er habe noch nie davon gehört, dass die Behörde sich eigenen Berechnungen der Antragsteller in der „Plausibilitätsprüfung“ verwehrt hat, sagte Thomas Dörflinger. Dem werde er nachgehen, die Haltung sollte relativ schnell korrigierbar sein.

Das wäre auch beim Wohnungsbau und beim Schulbau nicht verkehrt, ging Feneberg das nächste Problem an: Auch die Schulen müssten schneller wachsen als sie können und dürfen. So habe es für den Ausbau der Grundschule einen Kompromiss zwischen den Plänen der Gemeinde und dem RP gegeben, der zu einem bedenklichen Ergebnis führe: „Wenn sie fertig ist, wird sie zu klein sein“. Etwaige Beschwerden, sagte Feneberg, könnten dann an das Regierungspräsidium gehen.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Laupheim vom 20.9.2019