Neue Öfen, alte Sorgen - 26.4.18

Inspizieren die Brezeln, bevor sie in den Ofen wandern (von links): Juniorchef Daniel Zoll, Geschäftsführer Anton Zoll, Bürgermeister Klaus Reichert, Landtagsabgeordneter Thomas Dörflinger, Geschäftsführer der Handwerkskammer Ulm Tobias Mehlich sowie der Präsident der Kammer Joachim Krimmer. Foto: Andreas Spengler

Von Andreas Spengler

In der Bäckerei Zoll stehen Veränderungen an: Das Ummendorfer Traditionsunternehmen investiert rund eine halbe Million Euro in ihr Backhaus in der Bahnhofstraße in Ummendorf. Bis in drei Jahren will zudem der Juniorchef Daniel Zoll den Betrieb übernehmen. Das hat die Bäckerei bekannt gegeben. Bei einem Betriebsbesuch der Handwerkskammer mit Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger (CDU) wurden zudem aktuelle Probleme des Bäckerhandwerks diskutiert.

Die Verschwendung spürt man beim Gang durch die Backstube. Die mannshohen Backöfen, in denen die Bäckerei täglich bis zu 5000 Brote, Brezeln und Kleingebäck herstellt, verrichten seit mehr als 20 Jahren ihren Dienst. Doch sie strahlen auch spürbar Abwärme ab, sind nicht mehr auf dem Stand der Technik. Rund 500 000 Euro will die Bäckerei Zoll deshalb in fünf neue Geräte investieren, eine der teuersten Investitionen seit Jahrzehnten. „Für uns ist das ein Meilenstein“, sagt der Geschäftsführer Anton Zoll und fügt hinzu: „Wir wollen auch unseren Beitrag für die Umwelt leisten.“

Tatsächlich soll das neue Ofensystem eine Energieeinsparung von etwa 50 Prozent bringen und deutlich leiser backen. In Zukunft arbeitet nur noch ein Gasbrenner in dem System, der ein Thermoöl erhitzt, das durch die Öfen gepumpt wird – das ganze erfolgt computergesteuert.

Die Entscheidung für die Investition hätten sie gemeinsam gefällt, betonen Anton und sein Sohn Daniel Zoll. Die Überlegung für neue Backöfen beschäftige sie schon lange. Das finanzielle Risiko sei „kalkulierbar“, zudem erwarten sie Zuschüsse für die neuen Geräte vom Bundesamt für Wirtschaft. Daniel Zoll will voraussichtlich bis in drei Jahren den Betrieb seines Vaters voll übernehmen. Heute kümmert er sich in der Geschäftsführung bereits vor allem um die Personalplanung. Rund 140 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb zurzeit in Voll- und Teilzeit sowie auf 450-Euro-Basis.

Durch die technischen Neuerungen werden keine Arbeitskräfte eingespart, im Gegenteil: Wo es möglich ist, sollen neue Stellen geschaffen werden. Doch schon heute falle es schwer, offene Stellen zu besetzen. Das war auch Thema bei einer Betriebsbesichtigung mit Vertretern der Handwerkskammer und dem Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger.

Fachkräfte fehlen

Der Fachkräftemangel sei noch immer ein „Riesenthema“ , betont Juniorchef Daniel Zoll. Weil der Arbeitsmarkt oft „leergefegt“ sei, müsse man auch weiterhin verstärkt Geflüchteten eine Chance geben und diese versuchen in Ausbildung zu bringen. Der Geschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Tobias Mehlich, hat bei der Betriebsbesichtigung erklärt: „Die Bleibeperspektive für Geflüchtete kann sich auch daraus ergeben, dass sie unser Arbeitsmarktproblem lösen.“

Ummendorfs Bürgermeister Klaus Reichert bemerkte, dass die großen Biberacher Unternehmen eine „Sogwirkung“ hätten. Diese führe dazu, dass es noch schwieriger werde für Ausbildungsberufe im Umland geeignete Bewerber zu finden oder die Azubis im Betrieb zu halten.

Genau daran werde täglich gearbeitet, betonte Geschäftsführer Anton Zoll: „Wir betreuen unsere Azubis konsequent.“ Bei regelmäßigen Mitarbeitergesprächen würden Probleme thematisiert und genau hingeschaut, wenn ein Azubi zu spät zur Arbeit komme oder Schwierigkeiten haben. Das Ziel sei langfristig, eine Perspektive für die Azubis um Betrieb zu schaffen.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Biberach - 26.4.2018

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