Ein "Vivat" auf den Gewerbeverein in Riedlingen - 21.1.17

Neujahrsempfang des HGR - Festredner Thomas Dörflinger plädiert dafür, Maß zu halten

Anstoßen auf 150 Jahre Gewerbeverein (von links): Bürgermeister Marcus Schafft, der Kreisvorsitzende des Bunds der Selbstständigen (BdS) Roland Pecha, die HGR-Vorsitzende Kornelia Eisele, ihr Stellvertreter Manfred Schlegel und der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger.  Foto: Thomas Warnack

Von Bruno Jungwirth

Riedlingen - Nach fünf Jahren Pause hat am Montagabend der Handels- und Gewerbeverein Riedlingen zu einem Neujahrsempfang eingeladen. Der Empfang hat nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Rund 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren der Einladung ins Foyer der Kreissparkasse gefolgt. Hauptredner an diesem Abend war der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger. In seiner Rede über das "Wirtschaftswunderland Deutschland" warb er fürs Sparen und Maßhalten, gerade in guten wirtschaftlichen Zeiten. Kulturelle Impulse setzte Oberschwaben-Barde Michael Skuppin aus Bad Saulgau.

Es war nicht nur ein Neuanfang beim Neujahrsempfang nach fünf Jahren Abstinenz, es war auch die Auftaktveranstaltung für das Jubiläumsjahr "150 Jahre HGR", das 2017 mit mehreren Veranstaltungen gefeiert wird. Die HGR-Vorsitzende Kornelia Eisele ging in ihren einführenden Worten auf diese Geschichte ein und beleuchtete Stationen des Vereinsgeschehens: die Gründung 1867, die erste Gewerbeschau 1876, die Bemühungen um ein Telegrafenamt oder der Elektrizität; Abspaltungen und Wiedervereinigungen und der Einsatz um Infrastruktur und das Einmischen bei wirtschaftspolitischen Themen.

Eisele blickt aber auch auf die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren zurück, als sich der HGR nach dem Wechsel in der Vorstandschaft neu orientierte. "Es ist unsere Vision Riedlingen zu gestalten", sagte sie. Mit einer Fotokarte und einem Film erinnerte sie an die Auftaktveranstaltung von 2013 "Mut tut gut!". Seit der Zeit hat sich der HGR verstärkt in das Standortmarketing eingearbeitet und Konzeptionen erstellt sowie einen Schulterschluss mit der Riedlinger Gemeinschaftswerbung erreicht. Mit der Gründung des Riedlinger City- und Marketingvereins (RCM) wurde dafür eine "Basis gegossen", so Eisele. Dass diese Entwicklung untrennbar mit ihrer Person und der Arbeit verbunden sei, wurde am Ende der Veranstaltung noch von ihrem Stellvertreter Manfred Schlegel betont.

Über das "Wirtschaftswunderland Deutschland" sprach der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger. Er betonte zunächst angesichts der Terrorvorkommnisse in Deutschland und Europa, dass ein starker Rechtsstaat unabdingbare Voraussetzung für eine florierende Wirtschaft sei. Er plädierte auch für eine verstärkte Videoüberwachung.

Er warb trotz der guten wirtschaftlichen Lage eindringlich fürs "Maß halten": "Aktuell kann sich der Staat bei dem hohen Steueraufkommen gewisse soziale Wohltaten leisten, aber diese sind auch zu erbringen, wenn einem der konjunkturelle Gegenwind ins Gesicht bläst." Als Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft sieht er weiterhin die nicht gelöste Schuldenkrise an. Durch den niedrigen Zins werden Schuldenprobleme der Krisenländer vertagt, aber nicht gelöst. Auch den Trend zur Digitalisierung sieht er als Herausforderung - und als Chance. Die deutschen Unternehmen, allen voran die deutschen Autobauer, müssen sich künftig nicht nur mit der Branchenkonkurrenz, sondern auch mit Google oder Apple messen.

Glückwünsche zum HGR-Jubiläum kamen auch von Bürgermeister Marcus Schafft. Er dankte für das Engagement und erinnerte daran, was schon alles geschafft wurde: Theatersommer, Innenstadt, Gesundheitszentrum, Schwimmbad und Brücken fänden sich als oder in Handlungsfeldern oder Maßnahmen des Standortmarktingkonzepts: "Im rhetorischen Pulverdampf zum Teil unbemerkt sind wir in kurzer Zeit große Schritte gegangen", so Schafft.

Auch der Kreisvorsitzende des Bunds der Selbstständigen, Roland Pecha, gratulierte den Riedlingern zum Jubiläum. In seiner nachdenklich stimmenden Rede, ging er auf den schleichenden Werteverfall ein. Er setzte einige Grundrechtsartikel in Zusammenhang mit aktuellen Entwicklungen. So zitierte er etwa Artikel 2: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit" und setzte dies in Verbindung mit der Diskussion um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. "Müsste der Staat nicht viel mehr für eine gute medizinische Versorgung tun?",fragte Pecha.

Den Abschluss des offiziellen Teils, der musikalisch von einem Ensemble der Stadtmusik mit Stadtmusikdirektor Michael Reiter umrahmt wurde, machte der Bad Saulgauer Barde Michael Skuppin. In urschwäbischer Sprache besang er das Oberland und historische Begebenheiten. Auch Lieder über Riedlingen und seine Eigenheiten sowie ein "Vivat auf den Gewerbeverein" hatte er in seinem musikalischen Gepäck, ehe sich die Gäste am Buffet bedienen und sich über den Abend und viele weitere Themen unterhalten konnten.

Copyright Schwäbische Zeitung, Ausgabe Riedlingen - 21.01.2017