Lehrermangel im Landkreis sorgt für hitzige Debatte - 17.12.16

CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann ist in Ummendorf zu Gast

Von Daniel Häfele

Ummendorf - Zu wenig Lehrer, zu viel Bürokratie und keine klare Vision: Rektoren, Lehrer und Eltern haben am Donnerstagabend in der Ummendorfer Mehrzweckhalle mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) über die Bildungspolitik in Baden-Württemberg diskutiert. Diskussionsstoff gab es genug, zumal im Schulamtsbezirk, zu dem der Landkreis Biberach, der Alb-Donau-Kreis und die Stadt Ulm gehören, etwa 50 Lehrerstellen unbesetzt sind.

Susanne Eisenmann (CDU)

"Die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen ist hier im Schulamtsbezirk eklatant hoch", sagte Eisenmann vor den rund 250 Zuhörern. Der hiesige Schulamtsbezirk stehe mit der Zahl von 50 freien Lehrerstellen in diesem Schuljahr schlechter da als der Landesdurchschnitt. Was das im Alltag bedeutet, machte Karl Geßler, Schulleiter der Rottumtalschule in Ochsenhausen, deutlich: "Mir brennt der Kittel." Von sieben Kollegen seien zwei dauerhaft erkrankt. Er habe Pensionäre engagiert und eine Klasse aufgelöst. "Auf eine Stellenausschreibung haben wir keine Bewerbung bekommen", sagte Geßler.

Keine Bewerber

Sein Kollege Uwe Stark, Schulleiter der Gemeinschaftsschule Ochsenhausen-Reinstetten, sagte: "Das Thema mit dem Personal an unseren Schulen macht mir Angst." Er habe auf eine Sonderausschreibung ebenfalls keine Bewerbungen erhalten. Heidrun Drews, Personalratsvorsitzende für Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real-, Gemeinschaftsschulen sowie für sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren beim Staatlichen Schulamt Biberach, pflichtete ihm bei: "Es gibt an den Schulen zu viele Unterrichtsausfälle."

Christoph Genal, Rektor an der Sophie-La-Roche-Schule Warthausen, wünscht sich mehr Mitsprache bei der Auswahl der künftigen Lehrkräfte: "Ich als Schulleiter bin für das Klima an unserer Schule zuständig." Bei der Diskussionsrunde waren überwiegend Rektoren und Lehrer von Grundschulen, Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen sowie sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren am Mikrofon. Ein vierfacher Vater aus Biberach traute sich ebenfalls. Er sei erstaunt, wie wenig Ruhe, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit beim IT-Unterricht, der Inklusion und den Gemeinschaftsschulen herrsche. Er wünsche sich "einen ruhigeren, stabileren Ansatz", sagte der Biberacher.

Karl Geßler, Schulleiter der Rottumtalschule. SZ-Fotos: Daniel Häfele

Letzteres versprach die Kultusministerin den Anwesenden: "Wir müssen Ruhe und Verlässlichkeit in die Schullandschaft hineinbekommen." Dazu will sie keine strukturellen Veränderungen angehen, sondern sich auf die inhaltliche Ausrichtung der bestehenden Schulformen konzentrieren. So soll es zum Beispiel an den Grundschulen wieder stärken, um die Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen gehen. "Die Kinder müssen diese Kernkompetenzen beherrschen, um weiterführende Schulen besuchen zu können." Dafür erntete sie viel Applaus. Spezielle Schulformen möchte sie bei ihrer Arbeit nicht bevorzugen: "Mir liegen alle Schularten gleichermaßen am Herzen."

Eltern in der Pflicht

Gleichzeitig machte sie aber deutlich, dass die Bildungspolitik eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. So sei das Sterben der Haupt- und Werkrealschulen nur zu verhindern, wenn auch Eltern ihre Kinder auf diese Schulen schickten. Zudem dürfe die Erziehung der Kinder nicht allein Aufgabe der Schulen sein: "Erziehungsberechtigt heißt auch erziehungsverpflichtet." Wie sie allerdings das Problem des Lehrermangels beheben möchte, dazu hatte sie am Donnerstag keinen konkreten Lösungsansatz. "Je ländlicher der Raum, desto schwieriger ist es, Personal zu finden", sagte Eisenmann. "Beim Thema Lehrermangel ist keine zügige und schnelle Lösung in Sicht."

Copyright Schwäbische Zeitung, Kreisausgabe Biberach - 17.12.2016

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