Zukunft der Mobilität: Chancen ergreifen - Herausforderungen meistern - 22.3.18

Veranstaltung bei Firma Handtmann lockt über 200 Besucher an

(vlnr.): Jörg Hochhausen (Geschäftsführer der Handtmann Service), Franz Loogen (Geschäftsführer Landesagentur e-mobil BW GmbH), Dr. Michael Hagemann (Geschäftsführer Handtmann Metallgusswerk), Otto Sälzle (Hauptgeschäftsführer IHK Ulm), Thomas Dörflinger MdL, Prof. Dr. Klaus Dietmayer (Universität Ulm). Foto: Corinna Rosa

Der Weg in die Mobilität der Zukunft erfordert Technologien die unterschiedliche Antriebskonzepte, verschiedene Verkehrsmittel und IT miteinander vernetzen. Die Herausforderungen dieses Umbruchs betreffen dabei sowohl die Automobilhersteller als auch Zulieferfirmen und private Nutzer. Diese Herausforderungen aber auch die Chancen standen daher am vergangenen Montag im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der IHK Ulm mit der Landesagentur e-mobil BW GmbH, der Mittelstandsvereinigung im Kreis Biberach, des Landtagsabgeordneten für den Kreis Biberach, Thomas Dörflinger, und der Albert Handtmann Holding GmbH & Co. KG als Automotive Unternehmen und Gastgeber des Abends. Mehr als 200 Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik waren der Einladung gefolgt.

Handtmann rüstet sich für Elektromobilzeitalter

Zu Beginn sprach Franz Loogen, Geschäftsführer der Landesagentur e-mobil BW GmbH, mit profunden Kenntnissen zur Elektrifizierung und Digitalisierung der Mobilitätsindustrie in Baden-Württemberg. Sein Fazit lautete dabei: „Die Zukunft ist elektrisch, die Mobilität ist vernetzt und IT- gestützte Services entscheiden über den Erfolg an der Kundenschnittstelle. Wichtige Zielgruppe zukünftiger Mobilitätskonzepte ist schon heute die Generation „always on“ der Fünf- bis Fünfzehnjährigen“.

Mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis beschrieb Dr. Michael Hagemann, Geschäftsführer Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG, die strategische Ausrichtung des Unternehmens um auch in einer elektromobilen Zukunft „im Finale der Champions League“ mitspielen zu können: „Fahrzeug- und Karosseriekomponenten werden weiterhin gebraucht, aber es geht um die Entwicklung alternativer Materialien und um die Frage: Wie kommt das Internet ins Auto?“ Eine entscheidende Frage, denn das Auto der Zukunft ist im Alltag der Nutzer Teil einer Vernetzung von Wohnen, Arbeiten und Mobilität.

Fest steht: Der Wettlauf um die Batteriezelle als zentraler Technologie wird teuer und anstrengend. Denn zu den Playern im globalen Wettbewerb gehören Unternehmen wie Google, Nvidia oder Tesla, die international bereits Fakten schaffen.

Fahrverbote in der Kritik

„Höchste Zeit also“, so der Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger, „die Ärmel hochzukrempeln und parallel zu den bestehenden Antrieben Alternativen wie Hybrid, Wasserstoff, Brennstoffzelle und Batterieantrieb voran zu treiben“. Er forderte eine Versachlichung der Dieseldebatte und mehr Engagement der Industrie bei der Unterstützung der betroffenen Dieselfahrzugbesitzer: „Die E-Mobilität hat noch Schwächen, und solange ist der Diesel weiterhin unverzichtbar.“ Der Blauen Plakette oder Fahrverboten erteilte er als „ultima ratio“ eine klare Absage: „Effizienzentwicklung hat klar Vorrang vor Verboten“.

Teil der Zukunftsmobilität ist auch das Thema Autonomes Fahren. Laut Prof. Dr.-Ing. Klaus Dietmayer vom Institute for Measurement, Control and Microtechnology der Universität Ulm ist die stufenlose Entwicklung zu Level 5, dem vollautonomen Fahren, inzwischen bei Level 3-4 angekommen: „Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen und individuelle, komfortable Mobilität zu gewährleisten“. In diesem Zusammenhang nannte Dietmayer die Entwicklung einer hochkomplexen Sensortechnik, die es Fahrzeugen ermöglicht, Situationen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu verstehen und entsprechende Handlungen abzuleiten sowie einer hohen Redundanz aller Komponenten. „Nur dann ist es möglich, autonomes Fahren auch im Stadtverkehr und bei schwierigen Rahmenbedingungen zu realisieren. Das wird zu einer Auflösung klassischer Strukturen zwischen Zulieferer und Hersteller führen, und zu einer zunehmenden interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedenster Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft“, sagte Dietmayer.

Mobilität hat auch künftig große Bedeutung

Eine Zukunft ganz ohne Auto ist keine Option, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion der Referenten. Im Gegenteil, denn gerade Autonomes Fahren ermöglicht uneingeschränkte Mobilität. IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle plädierte als Moderator der Veranstaltung für Augenmaß statt Aktionismus und für eine Effizienzsteigerung durch den Einsatz jeweils adäquater Antriebe. „E-Mobilität ist ideal für öffentlichen Nahverkehr, für private Kurzstrecken und räumlich begrenzte Logistik. Für Langstreckenbetrieb sind Diesel und Hybrid derzeit alternativlos und am Ende steht die grundsätzliche Forderung, die Effizienz zu steigern und dadurch die Umwelt zu entlasten“, sagte Sälzle.

In der anschließenden Fragerunde waren das geplante 5 G-Netz, der rasche Ausbau der Breitbandnetze, Produktionsengpässe bei der Batterieherstellung sowie die notwendige Infrastruktur und schnelles Laden die Themen die die Zuhörer beschäftigten. Fazit der Podiumsteilnehmer: wir sind offen für verschiedene Technologien, aber am Ende entscheidet der Markt. Mobilität ist und bleibt ein treibender (Wirtschaft-) Faktor.

Text: IHK Ulm, Jonas Pürckhauer, Tel. 0731 / 173-169, puerckhauer@ulm.ihk.de